Überspringen zu Hauptinhalt
via verde

Georgien im November – Zwischen Seilbahnen, Weinbergen und Bergwelten

Kategorien: Georgien.

von Birgit Heinichen

• Über den Dächern von Chiatura: Seilbahnen, Bergbaugeschichte und neue Perspektiven
• Unterwegs in Ratcha: Klöster, Dörfer und überraschende Begegnungen
• Wein, Weite und Kaukasusblicke: Genussvolle Tage zwischen Hügeln und Hochgebirge

Anfang November war ich wieder einmal in einem meiner absoluten Lieblingsländer unterwegs: Georgien. Und wie so oft verbinde ich berufliche Termine bewusst mit kleinen Entdeckungsreisen in Regionen, die ich – trotz meiner ersten Georgienreise vor über zwanzig Jahren – noch nicht kenne. Dieses Mal stand eine Gegend ganz oben auf meiner Wunschliste: Chiatura und die Region Ratcha.

Chiatura, in der Region Imeretien, ist eine alte Bergbaustadt – berühmt für ihre Seilbahnen. Schon lange hatte ich von diesen teils abenteuerlichen Gondeln gehört, die Stadtviertel miteinander verbinden oder hinauf zu ehemaligen Minen führen. Viele davon sind heute außer Betrieb, umso größer war unsere Freude, als wir tatsächlich noch eine funktionierende, alte – und zugleich liebevoll renovierte – Gondel fanden. Klein war sie und etwas wackelig.
Meine georgische Kollegin Lela und ich stiegen mit leicht zittrigen Knien ein – und wurden mit einem großartigen Blick über die Stadt belohnt. In der Ferne sahen wir weitere Seilbahnen, Relikte einer anderen Zeit. Ein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung.

Restaurierte Gondel einer Seilbahn in Chiatura

Von dort fuhren wir weiter nach Katskhi, zur berühmten Katskhi-Säule: eine rund 40 Meter hohe Felssäule, auf deren Spitze ein winziges Kloster thront. Schon oft hatte ich Bilder gesehen – doch davorzustehen ist etwas völlig anderes.
Ein schmaler Weg führt durch Wald und Gebüsch, die Säule wächst fast unwirklich aus der Landschaft. Lela erzählte mir, dass der heutige Eremit denselben Nachnamen trage wie sie – ihre Familie stammt aus dieser Region. „Vielleicht ein Verwandter“, sagte sie lächelnd.
Der Mönch lebt dort oben abgeschieden, versorgt über einen kleinen Lastenaufzug. Besucher bleiben unten. Und doch ist dieser Ort voller spiritueller Präsenz.

Katskhi-Säule mit Eremitenkloster

Es war November, die Sonne stand schon tief, und genau diese Jahreszeit liebe ich in Georgien: tagsüber angenehme 18–20 Grad, perfektes Licht für Besichtigungen, abends kühl und angenehm zum Schlafen.
Als wir weiter Richtung Ratcha fuhren, tauchten plötzlich im Hintergrund die schneebedeckten, bis zu 5.000 Meter hohen Gipfel der hohen Kaukasus-Kette auf – vor strahlend blauem Himmel, mit einer Klarheit, die mir den Atem verschlug.

Ein weiterer Höhepunkt war die Kirche von Nikortsminda, erbaut im frühen 11. Jahrhundert vom ersten König des vereinten Georgiens. Die reich verzierte Fassade erzählt Geschichten – christliche Motive ebenso wie Bilder aus vorchristlicher Zeit. Ein Kleinod, das man nicht „abhakt“, sondern auf sich wirken lässt.

Kunstvolle Bildhauerei an der Fassade der Kirche von Nikortsminda

Unsere Unterkunft für zwei Nächte lag mitten in den Weinbergen bei Ambrolauri, das Château Dio: eine kleine Familienpension mit Holzhütten, Balkonen im warmen Nachmittagslicht und Blick über das Tal. Ein Glas Weißwein aus dem eigenen Keller, dazu Chatschapuri, Sulguni-Käse, Auberginen-Walnussröllchen – Georgien schmeckt hier besonders ursprünglich.

Aussicht vom Balkon des Chateau Dio

Gemeinsam mit Lela erkundete ich abgelegene Dörfer wie Gogolati: fast verlassen, mit traditionellen Häusern aus Stein und Holz: die Holzgeländer der Balkone voller Schnitzwerk mit Sonnenrädern, Pflanzenmotiven und geometrischen Mustern. Diese Ornamente sind mehr als Dekoration: Sie tragen alte Schutz- und Fruchtbarkeitssymbole in sich.
Wir kletterten über Zäune, streckten uns auf Zehenspitzen (wir sind beide nicht sehr groß) und fotografierten fasziniert jedes Detail.

Traditionelles Holzhaus in Ratcha

In Oni suchten wir eine alte Synagoge. „Immer geschlossen“, hieß es. Und dann hatten wir Glück: Simon, der letzte jüdische Bewohner des Ortes, arbeitete gerade auf dem Gelände. Seine Familie war geblieben, als andere Ende des 20. Jahrhunderts nach Israel auswanderten. Wir durften nicht hinein – aber durch die Tür einen Blick auf den farbigen Innenraum werfen. Ein Moment voller Geschichte und Begegnung.

Lela interviewt Simon und übersetzt
Im Innern der Synagoge von Oni

Am Straßenrand kauften wir schließlich Honig von einem Imker. Akazienhonig wurde es – ein Glas Erinnerung an diese Reise durch eine Region, abseits der touristischen Routen ist, tiefgründig und unglaublich reich.

Honigkauf am Straßenrand
Der stolze Imker

Genau solche Erfahrungen möchte ich auch unseren Gästen ermöglichen.
Bei Via Verde biete ich Georgienreisen an, die Raum lassen für Begegnungen, für Umwege, für Staunen. Wer Georgien nicht nur sehen, sondern wirklich erleben möchte, ist hier genau richtig https://www.via-verde-reisen.de/reiseland/georgien/
(Hinweis: Eine auf der Homepage veröffentlichte Reise durch Imeretien und Ratcha gibt es noch nicht. Wir können diese Region jedoch problemlos in eine maßgeschneiderte Individualreise einfließen lassen.)

An den Anfang scrollen
Suche

Reisefinder

Reisefinder