Überspringen zu Hauptinhalt
via verde

Sahara wie aus dem Bilderbuch im Süden Tunesiens

Kategorien: Afrika Blog, Tunesien.

Zwei Tage zwischen goldenen Dünen, Lagerfeuerromantik und unendlicher Weite

von Birgit Heinichen

Im letzten Beitrag habe ich von meiner Überraschung über den grünen Norden Tunesiens erzählt: von Olivenhainen, blühenden Frühlingswiesen, traditioneller Töpferkunst und den beeindruckenden Ruinen von Dougga.

Doch Tunesien wäre nicht Tunesien, wenn das alles gewesen wäre.

Je weiter wir während unserer neuntägigen Reise nach Süden fuhren, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Das satte Grün verschwand allmählich, die Vegetation wurde spärlicher und die Weite größer. Schließlich erreichten wir Douz, eine Oasenstadt am Rand der Sahara, die oft als „Tor zur Wüste“ bezeichnet wird. Von hier starten die meisten Expeditionen in den Grand Erg Oriental, eines der großen Dünengebiete Nordafrikas.

Ich hatte schon viele Bilder der Sahara gesehen. Doch wie so oft gilt: Zwischen Fotos und Wirklichkeit liegen Welten.

Unsere Unterkunft bestand aus kleinen, komfortablen Hütten inmitten eines Palmenhains. Zum Abendessen trafen wir uns in einem traditionellen Nomadenzelt und genossen die herzliche Gastfreundschaft, für die Tunesien bekannt ist. Doch das eigentliche Abenteuer sollte erst am nächsten Morgen beginnen.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Der Jeep als Wüstenschiff im Grand Erg Oriental

Mit mehreren Allradfahrzeugen brachen wir früh auf. Rund 120 Kilometer führte die Strecke tief hinein in den Grand Erg Oriental, eines der großen Dünengebiete der Sahara. Schon nach kurzer Zeit verschwand jede Spur von Straßen, Häusern oder Dörfern. Vor uns lag eine Landschaft, wie man sie aus Filmen kennt: endlose goldgelbe Dünen, dazwischen einzelne Tafelberge und bizarre Felsformationen, die wie Inseln aus einem Meer von Sand ragten.

Je weiter wir in die Wüste hineinfuhren, desto stärker wurde dieses Gefühl von Freiheit und Weite. Die Fahrzeuge bewegten sich über die Dünen wie Schiffe auf hoher See. Es ging auf und ab, mal sanft, mal steil. Hinter jeder Kuppe eröffnete sich ein neues Panorama aus Sand und Himmel. Die Stille war beeindruckend. Nur der Wind und das Brummen der Motoren begleiteten uns.

Begrüßung im Camp Abdelmoula

Nach mehreren Stunden erreichten wir das Wüstencamp Abdelmoula, das mitten in den Dünen liegt. Wer bei einem Wüstencamp an Einfachheit denkt, wird überrascht sein. Die komfortablen Zelte verfügen sogar über eigene Badezimmer und bieten einen angenehmen Rückzugsort inmitten der Sahara.

Besonders faszinierte mich jedoch etwas anderes: der Gemüsegarten des Camps. Dank tief liegender Wasserreserven kann hier mitten in der Wüste Gemüse angebaut werden. Der sandige Boden ist erstaunlich fruchtbar, sobald Wasser verfügbar ist. Viele Zutaten für das Abendessen stammen direkt aus diesem Garten. Frischer und authentischer kann man kaum essen.

Die Wüste blüht – Gemüse mit einem tollen Gesschmackserlebnis
Chilli aus der Wüste

Am späten Nachmittag stiegen wir auf eine der hohen Dünen, um den Sonnenuntergang zu erleben. Während einige der Teilnehmer begeistert ihre ersten Versuche beim Sandboarding wagten, beobachtete ich das bunte Treiben lieber aus sicherer Entfernung. Als bekennende Nicht-Skifahrerin erschien mir das die vernünftigere Variante. Es machte ohnehin großen Spaß, den Mutigen zuzusehen, wie sie die Dünen hinunterglitten und anschließend mühsam wieder nach oben stapften.

Der eigentliche Höhepunkt folgte jedoch mit der Abendsonne. Langsam tauchte sie die Dünen in immer neue Farbtöne. Goldgelb wurde zu Orange, Orange zu Rosa und schließlich zu einem warmen Rot. Die Schatten wurden länger, die Konturen weicher. Vor uns lag ein scheinbar endloses Dünenmeer, hinter dem die Sonne langsam am Horizont versank. Es war einer dieser Momente, die sich kaum fotografieren lassen, weil kein Bild die Atmosphäre wirklich einfangen kann.

Sandboarding für Geübte
Im letzten Abendlicht fernab der Welt

Zurück im Camp versammelten wir uns am Lagerfeuer. Frisches Brot wurde traditionell über dem Feuer gebacken und später zum Abendessen serviert. Die Gespräche wurden ruhiger, der Himmel dunkler. Und dann erschien er: der Sternenhimmel der Sahara.

Fernab jeder größeren Lichtquelle leuchteten unzählige Sterne über uns. Die Milchstraße zog sich wie ein heller Schleier über den Nachthimmel. Gleichzeitig zeigte die Wüste auch ihre andere Seite: Sobald die Sonne verschwunden ist, wird es überraschend kühl. Dick in eine warme Decke eingekuschelt verbrachte ich eine wunderbar ruhige Nacht in meinem Zelt.

Brotbacken auf traditionelle Art …
… im Lagerfeuer

Am nächsten Morgen führte uns die Reise weiter durch die Wüste. Wir besuchten die Überreste eines römischen Grenzkastells, das einst Teil des nordafrikanischen Limes war. Es erinnerte daran, dass diese heute so einsam wirkende Landschaft schon vor fast 2.000 Jahren eine wichtige Rolle spielte.

Grenzkastell des Limes Tripolitanus. Hiermit wurde der fruchtbare Norden gegen Einfälle aus der Sahara geschützt.

Als wir später die hohen Dünen hinter uns ließen und wieder festeren Wüstenboden erreichten, wurde die Stimmung noch einmal ausgelassen. Unsere Fahrer lieferten sich auf einer geeigneten Strecke einen kleinen, nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit. Die Fahrzeuge wirbelten Staub auf, Gelächter hallte durch die Funkgeräte, und für einen Moment fühlten wir uns wie Teilnehmer einer kleinen Wüstenrallye.

Natürlich ist mir bewusst, dass solche Fahrten nicht gerade ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit sind. Aber manchmal darf Reisen auch einfach Spaß machen. Und ich gebe offen zu: Eine kleine Wüstenrallye durch die Sahara hat ihren ganz eigenen Reiz.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Jeeprallye im Süden Tunesiens

Am Ende kehrten wir voller Eindrücke nach Douz zurück. Mit Sand in den Schuhen, Sonne im Gesicht und vielen Erinnerungen im Gepäck.

Mein Fazit? Wer die Sahara nur als eine endlose Fläche aus Sand betrachtet, unterschätzt ihre Magie. Die tunesische Wüste ist ein Ort der Stille und der Weite, ein Ort spektakulärer Landschaften und einzigartiger Erlebnisse. Für mich gehört diese Nacht in der Sahara zu den schönsten Momenten meiner gesamten Tunesienreise. Wer einmal erlebt hat, wie die Sonne über den Dünen untergeht und die Sterne über der Wüste aufleuchten, wird diesen Augenblick nicht so schnell vergessen.

Fortsetzung folgt …

Genau solche Erfahrungen möchte ich auch unseren Gästen ermöglichen.
Bei Via Verde biete ich Reisen an, die Raum lassen für Begegnungen, für Umwege, für Staunen. Wer Tunesiennicht nur sehen, sondern wirklich erleben möchte, ist hier genau richtig https://www.via-verde-reisen.de .

An den Anfang scrollen
Suche

Reisefinder

Reisefinder